{"id":1764,"date":"2010-02-18T12:00:00","date_gmt":"2010-02-18T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dpg-sachsen-anhalt.de\/?p=1764"},"modified":"2020-02-24T12:51:12","modified_gmt":"2020-02-24T11:51:12","slug":"doppelidentitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpg-sachsen-anhalt.de\/?p=1764","title":{"rendered":"Doppelidentit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">18.02.2010: Die polnischsprachige Bev\u00f6lkerung in der Bunderepublik &#8211; Beitrag von Basil Kerski im Deutschlandradio Kultur<\/h4>\n\n\n\n<p><a title=\"Externer Link zu www.dpg-bundesverband.de\/show\/3119348.html (Neues Fenster)\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.dpg-bundesverband.de\/show\/3119348.html\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>\n<br><\/p>\n\n\n\n<p>16.02.2010:<\/p>\n\n\n\n<p><a title=\"Externer Link zu www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/politischesfeuilleton\/1123695\/ (Neues Fenster)\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/politischesfeuilleton\/1123695\/\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle: Deuschlandradio Kultur<\/a>\n<br><\/p>\n\n\n\n<p>Man nennt sie die &#8222;Podolski-Klose-Generation&#8220; &#8211; Kinder der in den 80er-Jahren aus Polen eingewanderten Menschen. Sie sind in der Bundesrepublik aufgewachsen, haben die Verbindungen in ihr polnisches Geburtsland nie gekappt, pflegen ihre Doppelidentit\u00e4t und machen diese Haltung zunehmend auch \u00f6ffentlich sichtbar &#8211; so zum Beispiel der Fu\u00dfballer Lukas Podolski oder der Schriftsteller Artur Becker.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pflege der Doppelidentit\u00e4t von Deutschpolen ist zurzeit ein wichtiges Thema zwischen Berlin und Warschau. Polnische Politiker werfen der Bundesregierung vor, den Nachbarschaftsvertrag von 1991 nicht gen\u00fcgend umzusetzen. In ihm verpflichtete sich Warschau zur Anerkennung der deutschen Minderheit, die Bundesregierung wiederum wollte die kulturelle Doppelidentit\u00e4t von Einwanderern aus Polen f\u00f6rdern. Der polnische Staat garantiert seitdem der deutschen Minderheit Parlamentsmandate und unterst\u00fctzt deutsche Vereine sowie Schulen mit bis zu zehn Millionen Euro j\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ansicht polnischer Organisationen in Deutschland tut Warschau viel f\u00fcr die deutsche Minderheit, die Bundesregierung aber k\u00fcmmere sich kaum um die Belange von Deutschpolen, so zum Beispiel um den Polnischunterricht an deutschen Schulen. Sie fordern den Status einer nationalen Minderheit und berufen sich auf die \u00fcber 100-j\u00e4hrige Geschichte der polnischen Auswanderung nach Deutschland, vor allem ins Ruhrgebiet. Sie verweisen zudem darauf, dass die Polen in der Weimarer Republik als nationale Minderheit politisch anerkannt gewesen seien. Das polnische Au\u00dfenministerium teilt diese Auffassung und hat offiziell Mitte Dezember 2009 die deutschen Partner gebeten, die Forderungen der polnischen Organisationen zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung lehnt aber einen Minderheitsstatus f\u00fcr deutsche Polen ab und argumentiert, dass sie keine ethnische Gruppe seien, die seit Generationen bestimmte Siedlungsschwerpunkte bewohne. Und was die doppelsprachige F\u00f6rderung von deutsch-polnischen Kindern anbelangt, so sei dies f\u00fcr den Bund angesichts der Bildungskompetenz der L\u00e4nder nur schwer durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsch-polnische Debatte um den Umgang mit dem Kulturerbe polnischer Einwanderer ist nicht nur ein Thema f\u00fcr Diplomaten und Experten, sie ber\u00fchrt die grunds\u00e4tzliche Frage nach der Weiterentwicklung der nationalen Identit\u00e4tsmuster in Deutschland. Mit der 1998 in der Bundesrepublik eingeleiteten Reform des Staatsb\u00fcrgerschaftsrechts begann ein Wandel der traditionellen ethnischen, nationalen Leitvorstellungen. Die Bundesrepublik hat Abschied von der Dominanz des Prinzips der Vererbung der Staatsangeh\u00f6rigkeit genommen und es durch das Prinzip des Erwerbs der Staatsangeh\u00f6rigkeit durch Geburt im Land erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit definiert sich heute die Bundesrepublik weniger als eine ethnische Schicksalsgemeinschaft denn als eine politische Gemeinschaft &#8211; als eine Nation mit unterschiedlichen kulturellen Grundlagen. Das durch Einwanderer eingebrachte polnische oder auch t\u00fcrkische Kulturerbe wird somit auch zu einem Element der deutschen Nation. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Pflege der Kultur der polnischen Einwanderer auch eine Aufgabe f\u00fcr die Berliner Republik ist, so wie umgekehrt der polnische Staat sein pluralistisches Fundament sichert, indem er die deutsche Minderheit und ihr Kulturerbe in Polen f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Basil Kerski ist Chefredakteur des zweisprachigen &#8222;Deutsch-Polnischen Magazins DIALOG&#8220;, geboren 1969 in Danzig, lebt seit 1979 in Berlin, wo er an der Freien Universit\u00e4t Slawistik und Politikwissenschaft studiert hat. Die von ihm geleitete Zeitschrift erhielt am 2. Oktober 2009 in Saarbr\u00fccken den von der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung gestifteten &#8222;Einheitspreis 2009&#8220; in der Kategorie &#8222;Kultur&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.02.2010: Die polnischsprachige Bev\u00f6lkerung in der Bunderepublik &#8211; Beitrag von Basil Kerski im Deutschlandradio Kultur Quelle 16.02.2010: Quelle: Deuschlandradio Kultur Man nennt sie die &#8222;Podolski-Klose-Generation&#8220; &#8211; Kinder der in den 80er-Jahren aus Polen eingewanderten Menschen. 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