{"id":938,"date":"2017-10-06T15:35:00","date_gmt":"2017-10-06T13:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dpg-sachsen-anhalt.de\/?p=938"},"modified":"2020-02-12T17:40:19","modified_gmt":"2020-02-12T16:40:19","slug":"wer-ein-leben-rettet-der-rettet-die-ganze-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dpg-sachsen-anhalt.de\/?p=938","title":{"rendered":"\u201eWer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">06.10.2017: Zwei Projektreisen gegen das Vergessen &#8230;<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/www2.dpg-sachsen-anhalt.de\/uploads\/pic_8633305_full.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dpgsa.bplaced.net\/archiv\/www2.dpg-sachsen-anhalt.de\/uploads\/pic_8633305.jpg\" alt=\"\u201eWer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt.\u201c \"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wer mich kennt, wei\u00df, wie sehr mir Vers\u00f6hnung, Frieden und damit verbunden auch alle Projekte gegen das Vergessen am Herzen liegen. So erkl\u00e4rte ich mich auch in diesem Jahr mit gro\u00dfer innerer Freude dazu bereit, mit den Jugendlichen von der&nbsp;<strong>Sekundarschule \u201eAdolf Holst\u201c in M\u00fccheln vom 11. bis 15. September 2017<\/strong>&nbsp;sowie mit den&nbsp;<strong>Sch\u00fclern des Domgymnasiums Merseburg von 18. bis 22. September 2017<\/strong>&nbsp;in meiner Funktion als Dolmetscher zur Gedenkst\u00e4tte&nbsp;<strong>Treblinka<\/strong>&nbsp;im polnischen Masowien zu reisen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Gruppe wurde zus\u00e4tzlich von den beiden Lehrerinnen Eleonora M\u00fcller und Sylvia Cecaric sowie von Susanne G\u00f6hricke aus der Geschichtswerkstatt Merseburg begleitet, bei den Gymnasiasten aus Merseburg nahm Undine Sch\u00f6nfeldt sowie der Fotograf Knut Mueller an der Reise teil.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte Treblinka leider auch als riesigen Friedhof bezeichnen, denn an diesem Ort wurden vom 21. Juli 1942 bis zum 21. August 1943 ca. 912.000 Menschen ermordet. Die Sch\u00fcler beider Gruppen wurden sehr still, als sie auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Vernichtungslagers die 17.000 Granitbl\u00f6cke stehen sahen. Ein Kreis rund um den Steinturm sowie Teile des Gel\u00e4ndes der Massen- bzw. Aschegr\u00e4ber \u2013 insgesamt rund 22.000 m\u00b2 \u2013 sind mit Betonplatten \u00fcberdeckt, auf denen etwa 17.000 gebrochene, unbehauene Granitsteine unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe verteilt stehen, die j\u00fcdische Grabsteine symbolisieren sollen. In 216 von ihnen sind die Namen der Herkunftsorte u. -gemeinden der Opfer von Treblinka eingraviert. Immer wieder bringen auch die vielen Kreuze, die auf dem Gebiet des ehemaligen Strafarbeitslagers zu sehen sind, alle Beteiligten zum ehrfurchtsvollen Schweigen. Sie erinnern an die 10.000 polnischen Menschen, die dort ihr Leben lassen mussten. Manche der Opfer wurden direkt aus den Gef\u00e4ngnissen, z. B. dem aus Pawiak, nach Treblinka gebracht. Einziges Ziel war, sie dort zu erschie\u00dfen. In solchen Momenten braucht man keine Worte, auch keinen Dolmetscher \u2026 man kann einfach nur hoffen und w\u00fcnschen und beten, dass sich die Geschichte nie wiederholen m\u00f6ge. \u00c4hnlich nachdenklich waren wir auch beim Innehalten am Denkmal, welches an die 2.000 ermordeten Sinti und Roma erinnern soll.<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/www2.dpg-sachsen-anhalt.de\/uploads\/pic_8633305_1_full.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dpgsa.bplaced.net\/archiv\/www2.dpg-sachsen-anhalt.de\/uploads\/pic_8633305_1.jpg\" alt=\"\u201eWer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt.\u201c \"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zu den wichtigen Punkten des Besuchsprogramms geh\u00f6rte auch das Gespr\u00e4ch mit&nbsp;<strong>Jadwiga Stankiewicz J\u00f3\u017awik<\/strong>, einer dort in der N\u00e4he lebenden Zeitzeugin des Zeiten Weltkrieges. Sie ist eine \u201eGerechte unter den V\u00f6lkern\u201c. Diese Auszeichnung erhielt sie im Jahre 1999. Ihr Name kann in der israelischen \u201eYad Vashem\u201c gelesen werden. Sie ist eine (nach Angaben von \u201eYad Vashem\u201c vom 01.01.2016) von 6.620 polnischen Menschen, die diese Ehrung erhielten. Das entspricht ca. 25 % aller Gerechten unter den V\u00f6lkern (26.119 Menschen insgesamt mit Stand vom 01.01.2016). Auf der Medaille, die sie damals erhielt, steht: \u201eWer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt.\u201c<br><\/p>\n\n\n\n<p>Jadwiga Stankiewicz J\u00f3\u017awik, damals ein 15-j\u00e4hriges M\u00e4dchen, rettete in Warschau drei Menschen das Leben. Sie arbeitete als Haushalthilfe bei einer Familie in Warschau, wo drei Juden versteckt wurden. Als die Gestapo am 31.12.1943 in die Wohnung eindringen wollte, erm\u00f6glichte sie zwei Personen die Flucht durch einen Hinterausgang. Die dritte und schon \u00e4ltere Person versteckte sie im Bett, gut eingewickelt in eine Steppdecke. Au\u00dferdem rettete sie einem Jungen das Leben, indem sie ihm die Geburtsurkunde ihres verstorbenen Bruders gab. Alle \u00fcberlebten! Familie Muszynski emigrierte nach dem Krieg in die USA und Janusz Kon \u00fcberstand mit der fremden Geburtsurkunde ebenfalls den Krieg. Frau J\u00f3\u017awik, inzwischen 92 Jahre alt, beindruckte uns nicht nur mit ihrer Lebensgeschichte, sondern auch mit ihrer positiven Lebenseinstellung. Auf die Frage, ob sie ihr Leben nochmals in einer \u00e4hnlichen Situation riskiert h\u00e4tte, antwortete sie ohne zu z\u00f6gern mit einem klaren \u201eJA\u201c. Leider konnten wir Frau J\u00f3\u017awik bei der zweiten Treblinka-Reise in der Folgewoche, bei der ich die Sch\u00fcler des Domgymnasiums Merseburg begleitete, aufgrund ihrer Krankheit nicht treffen. Doch ihr Sohn Krzysztof J\u00f3\u017awik erz\u00e4hlte uns die Geschichte seiner Mutter und richtete unsere Gr\u00fc\u00dfe aus.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines vorangegangenen Projektes \u201eWir kn\u00f6pfen uns Geschichte vor\u201c \u00fcbergaben die Sch\u00fcler beider Gruppen je einen Koffer mit 8.500 Kn\u00f6pfen an Anna Remiszewska, Mitarbeiterin der Gedenkst\u00e4tte in Treblinka. Zusammengenommen sollen sie an die Anzahl von 17.000 Menschen erinnern, die maximal an einem Tag in Treblinka ermordet wurden. Die Kn\u00f6pfe wurden gemeinsam mit einem in Polnisch, Deutsch und Englisch verfassten Flyer \u00fcbergeben. Als \u00dcberschrift hatten die Sch\u00fcler \u201eZukunft braucht Erinnerung\u201c gew\u00e4hlt.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Es war f\u00fcr mich gut zu erleben, dass die Jugendlichen auf diesen Besuch sehr gut vorbereitet waren. Unser aller Dank geht auch an die Geschichtswerkstatt Merseburg &#8211; Saalekreis e.V. mit ihrem Vorsitzenden Peter Wetzel. Nat\u00fcrlich danken wir auch Dr. Edward Kop\u00f3wka und insbesondere Anna Remiszewska von der Gedenkst\u00e4tte Treblinka daf\u00fcr, dass unser Besuch dort so inhaltsreich verlaufen konnte. Wir alle wissen, dass wir die Geschichte nicht vergessen d\u00fcrfen. Diese Projekte mit den Jugendlichen, die unsere Zukunft sind, sind der beste Weg, anschaulich zu verdeutlichen, warum Frieden nicht nur ein Wort, sondern gelebtes gemeinsames Handeln ist, damit sich solche Gr\u00e4ueltaten nicht wiederholen. Als Mitglied und 2. Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. kann ich versichern, dass wir auch weiterhin solche wichtigen Projekte jederzeit unterst\u00fctzen werden. Ich w\u00fcnsche den Jugendlichen und uns allen, dass wir weiterhin in Frieden leben werden.<br><em>Dr. Edward Su\u0142ek<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>06.10.2017: Zwei Projektreisen gegen das Vergessen &#8230; Wer mich kennt, wei\u00df, wie sehr mir Vers\u00f6hnung, Frieden und damit verbunden auch alle Projekte gegen das Vergessen am Herzen liegen. 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